Fassaden, Portale und Kapitelle in der Saintonge (Frankreich)


Aulnay-de-Saintonge: Eglise Saint-Pierre de la Tour - Teil 2


Kapitelle im Innern der ehemaligen Pilgerkirche


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Langhaus nach Osten
"Die Pilgerkirche St-Pierre in Aulnay gehört in der kraftvollen Sprache ihrer Architektur und der verschwenderischen ausstattung mit Bauplastik zu den herausragenden Denkmälern der Romanik im Westen Frankreichs" (Thorsten Droste)
Die Kirche ist ein typischer Vertreter der poitevinischen Halle. Das Mittelschiff wird von zwei schmalen aber fast ebenso hohen Seitenschiffen gesäumt und durch die Seitenschiffsfenster belichtet. Die Gewölbe sind zugespitzt. Abgesehen von der (modernen) Strahler-Beleuchtung der Seitenschiffsgewölbe verdeutlicht das Kircheninnere ganz den Geist der Romanik. Bemerkenswert sind die Querschnitte der "Bündelpfeiler" -  jeweils vier Dreiviertelsäulen umstehen einen nicht sichtbaren Kern. Da ist viel Platz für Kapitelle...

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Mittelschiff und nördl. Seitenschiff nach W

Der Platz wird genutzt und so kann man höchst interessante Darstellungen entdecken, darunter sogar Elefanten. Diese sind etwas seltsam geraten, man kann davon ausgehen, dass der Bildhauer die Tiere wohl nicht aus eigener Anschauung kannte. Ungewöhnlich sind auch die großen maskenartigen Gesichter mit den übergroßen Augen, die eine ganze Kapitellfläche überdecken.


Kapitelle in St-Pierre
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Besonders schöne Kapitellexemplare kann man vor allem auch an den Vierungspfeilern entdecken. Manche Kapitelle erzählen Geschichten: Wie Kain seinen Bruder Abel erschlägt, wie der starke Samson (oder Simson) mit dem Löwen kämpft, wie ihm später seine Frau Dalila mit einer Schere die Haare abschneidet (in den Haaren lag die Kraft), so dass er dann problemlos gefesselt werden konnte, wie ein tapferer Ritter gegen ein Untier kämpft oder wie der Geizige mit dickem Geldbeutel um den Hals von Dämonen gepeinigt wird. Berühmt ist die Darstellung von zwei Dämonen, die einen Mann heftig an den Bartsträhnen ziehen...

Kapitelle in St-Pierre
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Das Portal im südlichen Querhaus


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Südportal, leider eingerüstet
Die Pilger im Mittelalter verließen die Kirche durch das Portal im südlichen Querhaus. Dieses Südportal am Querhaus gilt als eigentliches Highlight von St-Pierre, vor allem aufgrund der weit über hundert figürlichen Darstellungen in den Archivolten. Außer Apostel, Propheten, Ältesten der Apokalypse kann man hier eine Fülle an Fabelwesen entdecken, die der Sagenwelt entstammen. Sie zeugen von der überbordenden Phantasie der mittelalterlichen Bildhauer. Am bekanntesten ist die Darstellung der von einem Harfe spielenden Esel angeführten Dreiergruppe von Huftieren (Esel, Steinbock, Hirsch), die auf den Hinterbeinen laufen. Leider wissen wir Heutigen mit den damals hier erzählten Geschichten nicht mehr allzuviel anzufangen, immerhin lässt sich in dem Reigen noch die Fee (bzw. Nixe) Melusine ausmachen, die in charakteristischer Pose ihren Fischschwanz hält.
Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen (Mai 2018) waren Teile der Kirche eingerüstet und deshalb nur eingeschränkte Aufnahmen möglich.

Details der Archivolten
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Wenn auch nicht die Bögen im Ganzen erfasst werden können, so lassen sich doch einige Details hervorheben.
Auf der innersten (ersten) Archivolte werden Ranken dargestellt, die aus Ohren und Mäulern wachsen und den ganzen Bogen umspannen.
An der Innenseite des zweiten Bogens tragen 24 Atlanten mit hocherhobenen Armen ihre steinerne Last, während außen 24 Männer (Propheten?) paarweise heftig miteinander zu diskutieren scheinen.

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Die Bögen werden nach außen größer, die Anzahl der Figuren besetzten Keilsteine ebenfalls: Für den dritten Bogen werden jetzt 31 Steine benötigt, innen befinden sich dementsprechend die gleiche Anzahl von knieenden Personen, eine Hand jeweils erhoben. Und außen auf dem Bogen haben sich die (ursprünglich 24) Ältesten der Apokalypse nun ebenfalls auf 31 würdig thronende Alte vermehrt.
    

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Die vierte Archivolte ist bekannt für ihre Tierfiguren - z. B. für die berühmten singenden Esel! Diese waren aber zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme durch das Baugerüst verdeckt. Deshalb soll für eine umfängliche Betrachtung des Südportals auf die sehr ausführliche Beschreibung bei ->Wikipedia verwiesen werden.

Details der 4. Archivolte
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Auch beim Verlassen der Kirche durch das Südportal muss man zunächst ein paar Stufen hinaufsteigen, um dann wiederum ein paar Stufen hinabzusteigen. Diese nahezu unbewusste Bewegung verstärkt den Eindruck der Besonderheit des Innenraumes. Und natürlich sind am tiefgestaffelten Südportal die Kapitelle der eingestellten Säulen ebenfalls figürlich geschmückt - doch ist die Verwitterung zum Teil sehr fortgeschritten.

Details am Südportal, Kapitelle
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Seitenfassaden und Kapitelle

Es lohnt sich durchaus, die Außenwände der Seitenschiffe genauer zu betrachten. Sie werden durch bis zur Dachtraufe reichende Dreiviertelsäulen und die Fenster rahmende Bögen kraftvoll gegliedert.

Seitenfassaden
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Auch die eingestellten Säulen der Außenwände werden mit Kapitellen geschmückt:

Details der südlichen Außenwand
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Und die äußere Chorpartie? Man sollte auch sie nicht verpassen und so diese "Symphonie der Bauskulptur" mit  "Fensterlaibungen, Gesimsen, Kapitellen und Kragsteinen, vielgestaltigen Ornamenten und Figuren" ausklingen lassen. (Th. Droste)

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zu Teil 1: Westassade und Portale von St-Pierre

oder
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nach Chadenac: St-Martin