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Romanik in Polen
Das Ołbin-Portal - ein romanisches Portal an der Maria-Magdalenen-Kirche in Breslau (Wroclaw)

Spätgotische Kirche St. Maria-Magdalena
Breslau (Wroclaw)

Westfassade
Obwohl im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts in Polen viele romanische Kirchen oder Klöster gebaut wurden, haben sich vergleichsweise zu anderen Ländern nicht so viele Bauwerke aus dieser Epoche erhalten. Von den Portalen unbedingt sehenswert sind zum Beispiel die berühmte Bronzetür in ->Gnesen (Gniezno) und das an die Südseite der Maria-Magdalena-Kirche in Breslau (Wroclaw) versetzte Portal der ehemaligen Benediktinerkirche Elbing (Ołbin, heute ein Stadtteil von Breslau). Den Quellen nach diente die Maria-Magdalenen-Kirche bereits seit 1226 als Stadtpfarrkirche. Anderen Texten nach wurde die Kirche 1241 bei der Mongoleninvasion zerstört und danach neu gebaut. Die heutige Form (bis auf die Türme) stammt aus dem 14. Jahrhundert, als nach dem großen Brand 1342 beschlossen wurde, die Kirche in der Art der Spätgotik als Basilika neu und größer zu errichten.

Figur an der Westfassade

Infotafel
Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die Befestigungsanlagen um die Stadt aufgrund der drohenden Türkengefahr verstärkt. Dabei wurde die im Norden gelegene Benediktinerkirche St. Vinzenz von Elbing (Ołbin) abgerissen. Sie musste weiträumigen Bastionen weichen. Nur das romanische Portal der Kirche blieb erhalten und wurde 1546 an die Südseite der Maria-Magdalenen-Kirche versetzt.
Das Portal mit seinem Figurenprogramm in den Archivolten stellt insofern einen Sonderfall dar, da es hierfür im östlichen Europa nichts in ähnlicher Weise Gestaltetes gibt. Eher kann man das Portal vielleicht mit Arbeiten in Südwestfrankreich (Poitou) vergleichen. (1)
Das Portal mit seinem Figurenprogramm in den Archivolten stellt insofern einen Sonderfall dar, da es hierfür im östlichen Europa nichts in ähnlicher Weise Gestaltetes gibt. Eher kann man das Portal vielleicht mit Arbeiten in Südwestfrankreich (Poitou) vergleichen. (1)

Das Portal enthält Szenen aus der Kindheit und der Passion Christi. Die zweite Archivolte von innen gezählt zeigt von links nach rechts: Die Verkündigung an Maria sowie an die Hirten, Christi Geburt und Anbetung der Könige. Danach sehen wir den kleinen Jesus im Badezuber, es folgen Beschneidung und Darbringung im Tempel und Christi Taufe. Das Tympanon enthielt die Kreuzigung und die Himmelfahrt. Es befindet sich heute im Nationalmuseum Breslau (1). Doch wir schauen uns jetzt die Kapitelle etwas näher an:
Die Kapitelle
Auf der linken Seite haben die Künstler neben Untieren und Fabelwesen in den Ranken den Sündenfall gestaltet. Eva hält den Apfel noch in der Hand, während die wurmartige Riesenschlage die Zunge herausstreckt. Ganz am Rand (hier fehlt offenbar ein Stück) kann man erahnen, wie der Erzengel Michael Adam und Eva aus dem Paradies vertreibt.
Auf der rechten Seite verbirgt sich eine kleine nackte Gestalt zwischen Weinreben, neben ihr befinden sich zwei sehr schön gearbeitete Figuren, die mit ihrer Handhaltung und den langen Gewändern einen würdevollen Eindruck vermitteln. Wer mag das sein? Es ist interessant zu sehen, wie sie mit ihren Füßen (ebenso wie links der Erzengel Michael) auf dem Rand der Säule stehen.
Ornamente, Tiere und eine bärtige Figur im rechten Gewände
Bei der Versetzung des Portals im Jahr 1546 wurde es wahrscheinlich angepasst, vielleicht auch zurecht"gestutzt". So bleibt uns heutigen einiges an Rätseln... Jedenfalls handelt es sich bei den bärtigen Figuren (die linke Seite ist übrigens eine spiegelbildliche Kopie aus der Zeit der Umsetzung) bestimmt nicht (T. Torbus, 1) um Wikinger, wie manchmal scherzhaft behauptet wird.
Die Archivolten
Die äußeren Archivolten sind reich mit Pflanzen, Rankenwerk und Früchten versehen.
Die zweite Archivolte (von innen gezählt) enthält Figuren (-gruppen), die sich auf das Leben Christi beziehen. Die meisten können gut zugeordnet werden, nur einige von ihnen lassen infolge der starken Verwitterung / Beschädigung keine eindeutige Interpretation mehr zu.
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Verkündigung an Maria und an die Hirten (?), Geburt Christi, Anbetung der Könige |
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das Kind wird gebadet, Darbringung im Tempel, Jesu Taufe |
Das Ołbin-Portal an der Südseite der Maria-Magdalenen-Kirche in Breslau (Wroclaw) ist ein echtes Juwel und gehört mit zu den wertvollsten Zeugnissen romanischer Kunst in Polen. (T. Torbus, 1).

in den Norden, nach Skandinavien
oder
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Quellen, Literatur:
1) Tomasz Torbus, Polen, DuMont Reiseverlag Ostfildern 3. Aufl. 2011, S. 253
2) Franciszek Hackemer, Some concerns about the Ołbin’s Portal from St. Mary Magdalene Church in Wrocław, Architectus,
2022, 1(69), DOI: 10.37190/arc220101, https://architectus.pwr.edu.pl (Published in open access. CC BY NC ND license)
1) Tomasz Torbus, Polen, DuMont Reiseverlag Ostfildern 3. Aufl. 2011, S. 253
2) Franciszek Hackemer, Some concerns about the Ołbin’s Portal from St. Mary Magdalene Church in Wrocław, Architectus,
2022, 1(69), DOI: 10.37190/arc220101, https://architectus.pwr.edu.pl (Published in open access. CC BY NC ND license)




























