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Exkurse zur Architektur: Innenräume barocker Kirchen
Würzburg, Das Käppele


Die Legende erzählt, dass einst am Mainufer eine Marienstatue gefunden wurde, die auf dem Würzburger Nikolausberg Aufstellung fand. Wenig später gab es erste Berichte von Heilungen und Wundern. Für die Gläubigen wurde am Ort eine kleine Kapelle erbaut. Der Andrang nahm stetig zu und ein größeres Gebäude wurde erforderlich. Balthasar Neumann nahm 1740 den Auftrag an und verband mit Rücksicht auf die alte Gnadenkapelle diese mit einem durch seine Doppelturmfassade weit in die Landschaft hineinwirkenden Zentralbau. So schuf er ein architektonisches Meisterwerk, dass sich perfekt in die Umgebung einpasst.


An der Tür finden wir eine Tafel mit Erläuterungen. Noch mehr Erklärungen zu Geschichte, Architektur und zu einzelnen Kunstwerken kann man innen auf einem Blatt im Schaukasten finden. Der Text (hier rechts->) ist hilfreich für das Verständnis, denn nur so lassen sich für den unbedarften Besucher zum Beispiel auch die Deckenfresken deuten. Aus diesem Grund werden die vorgefundenen Erklärungen nachfolgend verwendet. Gehen wir hinein und erfahren die Einzelheiten!
"Im Dreißigjährigen Krieg, ca. 1640, fand der Sohn eines Fischers am Mainufer eine hölzerne Pietá, eine Marienstatue mit dem toten Jesus auf dem Schoß. Er gab ihr einen schönen Platz in einem Bildstock auf dem Nikolausberg. Das im Krieg geschundene Volk nahm zur Schmerzensmutter seine Zuflucht.
1653 wurde dort eine erste hölzerne Kapelle errichtet, die 1683 auf Betreiben von Bischof Konrad Wilhelm von Wernau erweitert wurde." (*)
1653 wurde dort eine erste hölzerne Kapelle errichtet, die 1683 auf Betreiben von Bischof Konrad Wilhelm von Wernau erweitert wurde." (*)
"Der Hauptbau der heutigen Wallfahrtskirche im Rokokostil entstand größtenteils in den Jahren ab 1747 nach Plänen von Balthasar Neumann, genehmigt von Fürstbischof Anselm Franz von Ingelheim.

Typische Rokokoornamente

1748 war die Grundsteinweihe, ein Jahr später stand der Rohbau mit Kuppel. Die Arbeiten übernahm Maurermeister Balthasar Trexler.Erst nach Neumanns Tod wurde durch Dominikus Ickelsheimer ab 1778 die alte Kapelle höhenmäßig an den Neubau angeglichen und im Stil des Klassizismus ausgestattet. Auch der Hochaltar und die Kanzel im Hauptschiff stammen aus dieser Zeit."
Das Hauptschiff


"Der vollständig nach Balthasar Neumanns Plänen errichtete Zentralbau mit Doppelturmfassade bildet im Grundriss ein Kreuz. Mit einer Länge von 26 Metern und einer Breite von 20 Metern bietet die Kirche kein Langhaus im klassischen Sinne. Ins Blickfeld der Besucher fallen zuerst der Hochaltar, die zwei Seitenaltäre und die Kanzel. Die Entwürfe für die Seitenaltäre lieferte Johann Michael Feuchtmayer der Ältere, die Ausführung übernahm Johann Baptist Clausner.

Das linke Altarbild schuf 1865 Andreas Leimgrub. Abgebildet ist der heilige Franziskus, der durch einen Seraph die Wundmale Christi empfängt.
1768 wurde das rechte Altarbild von Nikolaus Treu vollendet - es zeigt den hl. Nikolaus, der einen freigelassenen bzw. losgekauften Sklaven segnet. In der Nische unter der Mönchsempore befindet sich eine Statue des hl. Bruder Konrad, eines Laienbruders aus dem Kapuzinerorden. Angefertigt wurde die Statue von Ludwig Sonnleitner im Jahr 1931.
Der klassizistische Hochaltar entstand um 1798. Es ist das letzte große Werk von Johann Georg Winterstein. Das Altarblatt wurde um 1797/1798 von Konrad Huber gefertigt."
1768 wurde das rechte Altarbild von Nikolaus Treu vollendet - es zeigt den hl. Nikolaus, der einen freigelassenen bzw. losgekauften Sklaven segnet. In der Nische unter der Mönchsempore befindet sich eine Statue des hl. Bruder Konrad, eines Laienbruders aus dem Kapuzinerorden. Angefertigt wurde die Statue von Ludwig Sonnleitner im Jahr 1931.
Der klassizistische Hochaltar entstand um 1798. Es ist das letzte große Werk von Johann Georg Winterstein. Das Altarblatt wurde um 1797/1798 von Konrad Huber gefertigt."


"Andere Quellen nennen den Augsburger Johann Josef Anton Huber. Dargestellt ist der Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth, 'Mariä Heimsuchung' (Lk1, 39-56). Der Altarraum ist wie die ganze Kirche mit zahlreichen Engelsgestalten und Putten versehen. Statt des ursprünglichen frühklassizistischen Tabernakels findet man heute, nach der Restaurierung von 1894, ein mit dem Lamm Gottes gekröntes Sakramentshaus vor. Links und rechts davon knien stufig angeordnet jeweils drei anbetende Engel. Links vom Hochaltar steht der hl. Joachim (Marias Vater) und rechts die hl. Anna (Marias Mutter). Jüngeren Datums ist eine figürliche Darstellung des hl. Antonius mit Jesuskind an der linken Seite des Altarraumes auf einer Konsole."

"Die klassizistische Kanzel aus vergoldetem und marmoriertem Holz schuf um 1800 Materno Bossi. Sie wird bekrönt von einem alabasterweißen Putto, in den Händen ein großes Kreuz und die zwei Tafeln mit den zehn Geboten. Drei vergoldete Reliefs zieren den Kanzelkorb: die Engelsbotschaft an Maria, die Darstellung des Jesuskindes im Tempel und die Aufnahme Marias in den Himmel."
Die Deckengemälde

"Die farbenprächtigen Fresken in der Kuppel und an der Decke der Querarme wurden 1752 von Matthäus Günther vollendet. Das Thema des zentralen Deckengemäldes ist die Aufnahme Marias in den Himmel" ('Das Frankenland und die Frankenheiligen huldigen der Himmelskönigin, die von ihrem göttlichen Sohne gekrönt wird' - Bildbeschreibung an der Tür).

"Die Querarme zeigen alttestamentliche Frauen als Vorbilder der Fürbittmacht Mariens: Links bringt Abigail dem König David Speisen. Rechts bittet Königin Esther den König Artaxerxes, ihr Volk - die Juden - zu schonen."
"Das Fresko über der Orgel zeigt Fürstbischof Anselm Franz von Ingelheim, der den Neubau der Wallfahrtskirche nach Neumanns Plänen genehmigte. Das Deckengemälde über dem Hauptaltar inszeniert die Anerkennung der Wallfahrt durch Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn."
Die Gnadenkapelle
"Die Gnadenkapelle schließt sich linksseitig an den Neumannbau an. Sie zeigt vor allem Motive der Passion Jesu und des Mitleidens seiner Mutter. Mit der Pietá, die 1640 hier in einem Bildstock aufgestellt wurde, ist sie der älteste Teil des Wallfahrtsortes auf dem Nikolausberg. Sie gehört jedoch in ihrem klassizistischen Gewand der Stilepoche an, die dem Rokoko folgt."
"Die Kapelle hat eine Länge von 16 Metern und eine Breite von 12 Metern. Die ovale Kuppel ist ca. 12 Meter hoch."


"Die Fresken der Gnadenkapelle wurden in den 1780er Jahren vom greisen Matthäus Günther geschaffen. Das Deckenfresko zeigt die Verherrlichung Marias als Apokalyptische Frau im Himmel unter der Gegenwart Gottes. Umgeben von Engeln zertritt Maria in der Kraft des Erlösers den Kopf der Schlange. Ihr werden die Attribute zugeordnet, wie man sie im 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes findet: Die apokalyptische Frau - Bild des Gottesvolkes - ist umgeben von der strahlenden Sonne, mit Sternenkranz bekrönt, zu Füßen der Mond."

"Gerahmt wird das Bild mit Szenen aus Judiths Leben. Diese starke jüdische Frau, die ohne militärische Hilfe ihr Volk aus großer Not rettete, weist voraus auf Maria, die am Sieg Christi über die Mächte des Bösen teilhat.

Judith hält den Kopf des Holofernes in der Hand (Jdt 13).
Das dunkle Fresko über dem Gnadenaltar zeigt die Abnahme Jesu Christi vom Kreuz (Matthäus Günther 1786). Es ist kaum noch zu erkennen." (Anmerkung hb: An einigen Stellen der Fresken kann man die Probeversuche der Restauratoren für die Vorbereitung der Reinigung bereits sehen. Vielleicht erstrahlen die Fresken ja bald in neuem Glanz.)
Das dunkle Fresko über dem Gnadenaltar zeigt die Abnahme Jesu Christi vom Kreuz (Matthäus Günther 1786). Es ist kaum noch zu erkennen." (Anmerkung hb: An einigen Stellen der Fresken kann man die Probeversuche der Restauratoren für die Vorbereitung der Reinigung bereits sehen. Vielleicht erstrahlen die Fresken ja bald in neuem Glanz.)
"Der klassizistische Gnadenaltar birgt in einem von Engeln getragenen Glasschrein das Gnadenbild, die alte hölzerne Pietá von 1640.
Oben wartet im goldenen Strahlenkranz Gott Vater, um seinen von den Menschen so erniedrigten Sohn zu erhöhen. Links und rechts vom Altar knien unter einer Baldachinanlage jeweils zwei Engel mit Symbolen für den Leidensweg Jesu.
Der Gnadenaltar wird eingerahmt durch zwei Seitenaltäre, die in ovalen Gemälden St. Rochus und St. Wendelin zeigen. In den Seitennischen finden sich qualitätvolle Figuren: links Christus an der Geißelsäule, geschaffen vermutlich von Johann Peter Wagner, rechts der zum Spott mit Dornen gekrönte Heiland. Der Künstler kommt wohl aus der Auwera-Familie.
Die südliche Seitenwand birgt ein bemaltes Steinrelief Marias mit dem Jesuskind. Die etwa 80 cm hohe Figur aus dem Jahr 1460 stammt ursprünglich von der Vogelsburg, stand später im Domkreuzgang und wurde 1797 ins Käppele gebracht. Die großen Ölgemälde an den Langhauswänden der Gnadenkapelle zeigen Christus am Kreuz und die Verspottung Christi, geschaffen von Oswald Onghers."
Der Gnadenaltar wird eingerahmt durch zwei Seitenaltäre, die in ovalen Gemälden St. Rochus und St. Wendelin zeigen. In den Seitennischen finden sich qualitätvolle Figuren: links Christus an der Geißelsäule, geschaffen vermutlich von Johann Peter Wagner, rechts der zum Spott mit Dornen gekrönte Heiland. Der Künstler kommt wohl aus der Auwera-Familie.
Die südliche Seitenwand birgt ein bemaltes Steinrelief Marias mit dem Jesuskind. Die etwa 80 cm hohe Figur aus dem Jahr 1460 stammt ursprünglich von der Vogelsburg, stand später im Domkreuzgang und wurde 1797 ins Käppele gebracht. Die großen Ölgemälde an den Langhauswänden der Gnadenkapelle zeigen Christus am Kreuz und die Verspottung Christi, geschaffen von Oswald Onghers."
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(*) Text (kursiv): Informationsblatt im Innern der Wallfahrtskirche

nach Polen: Legnieckie Pole (Wahlstatt)











