Backsteinbauten an der polnischen Ostseeküste


Koszalin/Köslin: Marienkirche

offiziell Kathedrale Mariä Unbefleckte Empfängnis

Bild "Koeslin_Rathaus_01.jpg"
Rathaus Koszalin
Bild "Koeslin_Rathaus_02.jpg"
Koszalin (ehemals deutsch Köslin) befindet sich etwa 40 km von Kolberg und etwa 10 km von der Ostseeküste entfernt. Der Ausflug dorthin lohnt sich, denn Köslin besitzt mit der Kathedrale ein bedeutendes Baudenkmal. Vom Rathausplatz fällt der Blick direkt auf die Kathedrale, es sind es nur wenige Schritte bis dorthin. Das Rathaus selbst wurde von 1960-1962 errichtet und ist ein sehr schönes Beispiel für den Baustil dieser Zeit. Es ist in der Geschichte Köslins bereits das sechste.

Bild "Koeslin1_01.jpg"Bild "Koeslin1_02.jpg"Bild "Koeslin1_03.jpg"

Bild "Koeslin1_05.jpg"
Vor der Kathedrale befindet sich ein Denkmal für Johannes Paul II. Eine Informationstafel nahe des Eingangs klärt uns über die wichtigsten Fakten zur Kirche auf:

Bild "Koeslin1_04.jpg"
Die gotische Kathedrale der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria
wurde in den Jahren 1300-1333 errichtet und ist das älteste Baudenkmal der Stadt. Es ist beispielhaft für den in Pommern am häufigsten auftretenden Baustil, eine Basilika mit einem länglichen, dreiseitig geschlossenenem Presbyterium (Chor), einem Sterngewölbe und einem massiven rechteckigen Turm. Im Hauptaltarbild befinden sich 16 Skulpturen aus dem gotischen fünfteiligen Altarbild von 1512, am Abschlussbalken des Presbyteriums hängt ein Kruzifix vom Ende des 14. Jahrhunderts. Die Glasfenster in den Presbyteriumsfenstern entstanden in den Jahren 1914-1915. Die Kirche verfügt über eine Orgel mit Barockklang aus dem Jahre 1899. Die älteste Sehenswürdigkeit in der Kirche ist ein in der Vorhalle unter dem Turm stehendes Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert. An den Wänden der Vorhalle sind Grabtafeln vom Beginn des 17. Jahrhunderts zu finden.
(Text: Infotafel vor der Kirche)

Bild "Koeslin1_06.jpg"Bild "Koeslin1_07.jpg"

Bild "Koeslin_Grundriss.jpg"
Grundriss aus /1/,
die seitlichen Kapel-
lenanbauten sind
nicht mehr vorhanden.
Ergänzend erfahren wir von Ludwig Böttger /1/ noch folgendes:

Die Kirche zeigt die Form der dreischiffigen gwölbten Basilika mit vieleckigem Chor und großem Westturm, Ziegelrohbau mit Verwendung von Formsteinen.
Chor 16,6 m lang, 8,8 m breit,
Mittelschiff und Seitenschiffe 24,5 m lang, zusammen 23 m breit,
Turmhalle 8,6 m im Quadrat,
Höhe des Mittelschiffs 18,3 m, der Seitenschiffe 8,8 m.


Die Apsis ist mit drei Seiten des Sechsecks geschlossen und mit schönen Sterngewölben überdeckt; die Fenster sind dreiteilig und im Maßwerk spitzbogig geschlossen. (...)

Das Mittelschiff besteht aus vier Jochen, so dass zweimal drei freistehende und zweimal zwei vorgelegte halbe Pfeiler vorhanden sind. (...) Das Hauptschiff ist wie die Apsis mit Sterngewölben überdeckt, welche in schönem Schwung aus den Diensten herauswachsen und mit den reicheren Gewölben der Apsis in passendem Verhältnis stehen. (...)
Text (kursiv) aus:
/1/ Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Köslin. Heft 1. Die Kreise Köslin und Colberg-Körlin. Bearbeitet von Ludwig Böttger. Stettin. 1889

Bild "Koeslin2_01.jpg"Bild "Koeslin2_02.jpg"Bild "Koeslin2_03.jpg"

Glasfenster im Presbyterium (Chor) und Hauptaltar

Bild "Koeslin2_05.jpg"Bild "Koeslin2_06.jpg"
Die Glasfenster im Chorbereich in den Jahren 1914/15 entstanden. Erstaunlicherweise haben sie sich über die Wirren der Zeit erhalten, bemerkenswert sind vor allem die Bildnisse von Luther und Melanthon. Bis 1945 diente die Kirche den evangelischen Gottesdiensten der lutherischen Gemeinde.
Der Hauptaltar war im 19. Jahrhundert abgebaut, die Figuren verstreut und an verschiedenen Stellen aufgestellt worden. Doch dank der in den letzten Jahren erfolgten Restaurierungen und Ergänzungen (u. a. neuer Altarschrein, Hintergrund und Flügel) ist der ursprünglich spätgotische Altar von 1512 jetzt wieder in voller Schönheit zu bewundern. Im Hauptteil flankieren die Figuren von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten die Muttergottes mit dem Kind. In den Flügeln befinden sich die Figuren der zwölf Apostel, in der Predella (dem Aufsatz) können wir anhand der Attribute die weiblichen Heiligen identifizieren: Dorothea, Ursula, Maria mit dem Jesuskind, Margarethe und Barbara.

Bild "Koeslin2_04.jpg"


Bild "Koeslin1_08.jpg"
Im Außenbereich lohnt sich noch ein kleiner Rundgang um die Kirche, um die Details zu betrachen (und bevor wir zu den Resten der Stadtmauer spazieren). Die Portale der Kathedrale werden mit Profilstäben eingefasst, sie zeigen über den Öffnungen spitzbogiges Maßwerk wie die Fenster. In den Giebeln der quergestellten Seitenschiffsdächer befinden sich Blendbögen. Unterhalb der Dachtraufe verläuft ein Fries.

Bild "Koeslin1_09.jpg"Bild "Koeslin1_10.jpg"Bild "Koeslin1_11.jpg"Bild "Koeslin1_12.jpg"


An der Stadtmauer

Bild "Koeslin_Stadtmauer_01.jpg"
Die mittelalterliche Stadtmauer wurde mit einem Umfang von 1600 m errichtet, verstärkt mit 46 Wachtürmen*) und 3 Toren als geschlossener Ziegelring. Die Stärke der Mauer betrug am Fuß 1,30 m bei einer Höhe von 7 m. Die ursprüngliche Befestigung von Koszalin bildete ein Erdwall mit einer Holzpalisade, umgeben von einem mit Wasser gefüllten Festungsgraben. Die Holzbefestigungen existierten bis 1291, als die gemauerte Festung der Stadt aus Ziegeln errichtet wurde. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts blieben die Mauern in ihrem ursprünglichen Zustand. Erst nach dem großen Brand von 1718 wurden die Mauern bis zum Jahr 1731 stufenweise auf eine Höhe von 3 m abgetragen. Das abgetragene Gemäuer wurde zum Wiederaufbau der Stadt verwendet.

Bild "Koeslin_Stadtmauer_02.jpg"Bild "Koeslin_Stadtmauer_03.jpg"
Bild "Koeslin_Stadtmauer_04.jpg"Bild "Koeslin_Stadtmauer_05.jpg"Bild "Koeslin_Stadtmauer_06.jpg"

Im 19. Jahrhundert wurden die Stadtmauern ganz entfernt, aus den großen Mauerstücken wurden Häuser gebaut. Auf diese Weise sind einige Mauerreste bis heute erhalten geblieben. Das längste dieser Mauerfragmente zwischen der Mickiewcza- und der Maria-Ludwika-Straße hat eine Länge von 60 m. Die höchsten erhalten gebliebenen Mauern in der Maria-Ludwika-Straße erreichen eine Höhe von 6 m. Seit 1960 werden die erhalten gebliebenen Überreste der Stadtmauer nach und nach renoviert. (...)  (Text: Infotafel an der Stadtmauer)
*) Wiekhäuser? - hb
Bild "0_back.png"  Bild "0_up.png"  Bild "0_next.png"

Bild "0_next.png"
Braniewo/Braunsberg