Romanische Portale und Kapitelle in Sachsen-Anhalt


Das ehemalige Kloster zu Ilsenburg


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Klosterkirche
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Kapitell in der Klausur
Es ist schon erstaunlich, was für kostbare Perlen romanischer Baukunst man alles am Harzrand entdecken kann. So auch in Ilsenburg: Steigt man von der Ortsmitte zum Schloss empor und hat nach wenigen Schritten das neoromanische Schlossportal passiert, dann steht man unmittelbar der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Ilsenburg gegenüber. Die Kirche macht jedoch von außen einen seltsamen Eindruck. Kein Wunder - wurde doch das Kloster in seiner tausendjährigen Geschichte umgebaut, verstümmelt, zerstört, in anderer Form wieder aufgebaut, fremdgenutzt und so immer wieder verändert.

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Kapitell (Puttrich, 1)
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Klausurgebäude von Osten
Die einstige Größe der Anlage lässt sich daher nur noch ahnen. Umso mehr überraschen dann das Innere der einstigen Klosterkirche und die Räume der Klausurgebäude. Diese stellen mit ihren wunderbaren Säulen und den kunstvollen Kapitellen ein einzigartiges Zeugnis der Romanik im Harz dar und gehören mit zu den schönsten und ältesten Innenräumen des Harzgebietes.


Säulen und Kapitelle in der Klausur, Kloster Ilsenburg


Im Refektorium
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Das RefektoriumBild "Ilsenburg_Puttrich22_Blatt7_3.jpg"Bild "Ilsenburg2_10.jpg"
Die Klausur war ein räumlich abgegrenzter Bereich des Klosters, in den nur Ordensmitglieder Zutritt hatten. Sie ist das Symbol für die Wüste als Lebensraum der frühen Mönchsväter und galt entsprechend als Schweigeort und Rückzugsort. Zur Klausur gehörten das Dormitorium (Schlafsaal), der Kapitelsaal (Versammlungsraum), der Kreuzgang und auch das Refektorium.

Das Refektorium (lat. reficere = erfrischen, erholen) war der Speisesaal. Den Ablauf der Mahlzeiten gaben die strengen Regeln des heiligen Benedikt vor. Ihre Anzahl richtete sich nach der Jahreszeit und dem lithurgischen Jahreslauf. Die Mönche trafen sich ein- bis zweimal täglich, um gemeinsam zu speisen. Dabei musste die Stunde so gewählt werden, dass dies noch bei Tageslicht geschah. Bevor sie zu Tisch gingen, wuschen und trockneten sie sich sorgfältig die Hände. Noch heute befindet sich an der südlichen Außenwand des Refektoriums ein steinernes Waschbecken, das vermutlich diesem Reinigungsritual diente. Vor dem Essen wurde das Tischgebet gesprochen - oft in Richtung des Kreuzes, das zur Ausstattung eines jeden Refektoriums gehörte und sich hier in Ilsenburg in Resten an der Ostwand erhalten hat. Das Mahl musste schweigend eingenommen werden. Einzig der Tischvorleser las währendessen Texte aus dem Regelwerk des heiligen Benedikt und aus religiösen Schriften.

Das Refektorium hier im Südflügel des Klosters Ilsenburg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet, nachdem um 1120 ein Brand den Vorgängerbau zerstört hatte. Bereits ab Mitte des 16. Jahrhunderts, als sich die Ordensgemeinschaft auflöste, wurde der alte Speisesaal als Lager für landwirtschaftliche Produkte genutzt. In diesem Zusammenhang entstand vermutlich auch der noch vorhandene Zugang zu den Kellergewölben vor der Südwand. Zwischen 1825 und 1834 befand sich im einstigen Refektorium eine Schwefelsäurefabrik. Erst 1929 erfuhr der mittelalterliche Raum durch das Theologische Auslandsseminar, das die Schloss- und Klostergebäude für 30 Jahre gepachtet hatte, mit der Einrichtung einer Bibliothek wieder eine angemessenen Nutzung.

In den Jahren nach 2000 wurde das Refektorium durch die Stiftung Kloster Ilsenburg aufwändig restauriert.

(nach: Infotext im Refektorium)


Nach dem Brand von 1120 wurde das Refektorium im Südflügel der Klausur in der Amtszeit des Abtes Sigibodo, zwischen 1136 und 1161, wieder aufgebaut. Zwölf Säulen tragen die Gewölbedecke. Der ornamentale Schmuck der Säulenschäfte und -kapitelle nimmt dabei von West nach Ost zu.
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Winterrefektorium (?)
Östlich an das Refektorium schließt sich ein weiterer, kleinerer Raum an, möglicherweise handelt es sich hier um das Winterrefektorium. Die Reste einer mittelalterlichen Heizungsanlage lassen diesen Schluss zu. Das ausgestellte Modell und die Computeranimation helfen dem Besucher, sich die ursprüngliche Klosteranlage vorzustellen. Das Obergeschoss des Südflügels existiert nicht mehr, hier könnten sich die Schreibstube (das Scriptorium) und die Bibliothek befunden haben.

Beheizt werden konnte im Mittelalter auch der sogenannte "Brüdersaal", das Kalefaktorium, ein ebenfalls gewölbter Raum, in dem sich die Mönche versammelten und aufwärmten. Schöne Würfelkapelle mit Schildbogen schmücken drei der Säulen.
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"Gartensaal"
Der Wiederaufbau des Ostflügels der Klausur mit dem Kapitelsaal und der Marienkapelle erfolgte anschließend in der Zeit zwischen 1161 und 1176 unter dem Abt Thioter. Der Chor (der östliche Bereich) der Marienkapelle ist leider nicht erhalten, doch der heute "Gartensaal" genannte Westteil und der ehemalige Kapitelsaal sind von ausgesuchter Schönheit. Im Gartensaal befindet sich ein geheimnisvolles Maskenkapitell: Zwei breite Ströme kommen aus dem Mund einer Figur, die noch dazu eine Krone trägt. Ist es ein König, der Recht spricht? Eine Mahnung an die Mönche oder ein Dämon zur Abschreckung? Wie wenig wissen wir heute doch über unsere Vorfahren...

Im "Garten"- und im Kapitelsaal
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In der Klosterkirche zu Ilsenburg

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Computeranimation zur Ge-
schichte in der Klausur
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Das Kloster entwickelte sich unter Burchard II. (ab 1059 Bischof von Halberstadt) und dem Abt Herrand (ein Verwandter Burchards) im 11. Jahrhundert zu einem geistigen Zentrum der Region. Der Neubau der Klosterkirche wurde 1087 durch Burchard II. geweiht. Diese romanische Kirche hatte beachtliche Ausmaße, es handelte sich um eine flachgedeckte dreischiffige Basilika mit Querhaus, gestaffeltem dreischiffigen Chor und mächtigem Westturmriegel. Heute ist das große Westportal leider vermauert, die Türme sind abgetragen. Die spätere Einwölbung, manche Umbaumaßnahmen und auch die Plünderungen im Bauernkrieg bekamen der Kirche und dem Kloster nicht gut, das nördliche Seitenschiff der Kirche musste abgebrochen, die Mauerhöhen verringert und kräftige Stützpfeiler im Süden angebaut werden. Während und nach dem Bauernkrieg gingen nicht nur große Teile der Baulichkeiten sondern auch die Bestände der ehedem weitberühmten Klosterbibliothek verloren.

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Das um 1240 nachträglich eingezogene Gewölbe übte auf die Mittelschiffswände der Basilika einen zu hohen Druck aus. Um den drohenden Einsturz abzuwenden, mussten Mauern und Stützen verstärkt werden, das nördliche Seitenschiff wurde aufgegeben. So erlebt der Besucher heute einen seltsam anmutenden zweischiffigen Raumeindruck...

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Der "mystische Fisch"

Eine besondere Kostbarkeit stellen die erhaltenen mittelalterlichen Fußbodenreste dar. Es handelt sich dabei um einen der wenigen erhaltenen Stuckfußböden des 12. Jahrhunderts mit farbigen Darstellungen verschiedener symbolbeladener Bilder. Deutlich lässt sich zum Beispiel am Eingang der "mystische Fisch" erkennen. Auf der Informationstafel in der Kirche kann man dazu viel Wissenswertes erfahren:

Text der Informationstafel zum Fußboden der Klosterkirche
Zum Fußboden. Die Tragschicht besteht aus Kupferschlacke der Rammelsberge zu Goslar, u. a. ein Hinweis darauf, dass bereits zu diesem Zeitpunkt in Ilsenburg Hüttenindustrie betrieben worden sein muss. Die Kupferschlackenschicht besitzt keine Saugfähigkeit und war somit eine ideale Sperre gegen die aufsteigende Durchfeuchtung.
Im 16. Jahrhundert wurde der Fußboden völlig verschüttet - vermutlich durch das Einstürzen des Kreuzrippengewölbes nach den Unruhen des Bauernaufstandes. Die Spuren der Verschüttung sind noch am Stützenwechsel im südlichen Seitenschiff erkennbar.
Auf dieser etwa 1,40 m dicken Schicht wurde ein neuer Fußboden verlegt, in den hinein im 18. Jahrhundert Grablegungen stattfanden. Im Zusammenhang mit den Grabungen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten mehr als 40 Gräber nachgewiesen werden. In dieser Zeit erfolgte auch die Abtragung der oberen Fußbodenschicht und die Freilegung des romanischen Befundes.
Die große Zeichnung (auf der Infotafel, Anm. hb) gibt einen Überblick über den gesamtem romanischen Befund. Sie wurde während der Sicherungsarbeiten in originaler Größe Stück für Stück aufgenommen und zusammengefasst.
Am östlichen Ende sind drei Grablegungen erkennbar. Die beiden südlichen Gräber wurden vermutlich im 14. Jahrhundert nachträglich in den Fußboden eingelassen und als Ruhestätte für dem Kloster nahestehende Äbte genutzt.
Über den Zeitpunkt der nördlichen Grablegung besteht noch Unklarheit. Sicher scheint nur, dass sie vor den beiden anderen erfolgt sein muss.
Ob es sich hier möglicherweise um die Ruhestätte des Kirchenerbauers und Klosterreformators Burchard II. ("Buko") von Halberstadt handelt, kann wohl erst durch entsprechende Grabungen überprüft werden.
Von dem ursprünglichen mittelalterlichen Kunstwerk sind heute nur noch Fragmente erhalten.

Die ikonografische Darstellung. Alle bildlichen Darstellungen sind in den Fußboden inkrustriert worden. Dazu wurden mit einem scharfen Werkzeug Vertiefungen in den gegossenen Fußboden eingebracht und mit farbigem Gipsestrich ausgelegt, der in seiner Zusammensetzung dem des übrigen Fußbodens entspricht. Die Farbgebung wurde durch die Beimischung von Eisenoxid für Rot und möglicherweise Holzkohlepartikeln für Schwarz erzielt.
Die Motive der Inkrustrationen resultieren aus der im Mittelalter üblichen Naturverklärung und haben ihren Ursprung in biblischen Szenen.
Betrat man die Kirche vom Westportal aus, erwuchs der Baum des Lebens mit seinen Blüten und Ranken vor den Gottesfürchtigen. Mystische Tiere und Fabelwesen am Eingang sollten dabei wohl das Böse vom Gotteshaus fernhalten. Umgeben war der Baum des Lebens nach drei Seiten von teppichartigen, mit Ornamenten verzierten Gebilden, die frei im Raum endeten. Interessant dabei ist, dass die Verzierungen von West nach Ost in Farbe und Form immer detaillierter gestaltet wurden.
Der Lebensbaum -
könnte das Symbol für den Kreuztod Christi sein. Von den ursprünglich fünf Rankenspiralen an jeder Seite existieren heute nur noch Reste von drei Spiralen an der südlichen und Fragmente einer an der nordwestlichen Seite des Baumes. Im Innern dieser einzigen noch vorhandenen nördlichen Rankenspirale kann man Reste von Inkrustrationen, die wie menschliche Körperteile anmuten, erkennen. Der Farbton der Inkrustrationen unterscheidet sich von den anderen durch seine rötlich-graue Farbe. (...)
Der mystische Fisch-
steht in der altchristlichen Kunst für das heilige Abendmahl und könnte hier die Elemente verkörpern. Seine menschliche Fratze, die nach Westen zeigt, lässt die Vermutung zu, dass er Böses vom Innern der Kirche fernhalten sollte. Er zählt zu den am besten erhaltenen Kunstwerken des romanischen Fußbodens.
(...) Umfangreiche Restaurierungsarbeiten waren notwendig, um mit der archäologischen Sicherung des romanischen Befundes beginnen zu können. Besonders wichtig war es, den Fußboden vor weiteren Schäden durch eindringendes Wasser zu schützen. Dazu wurde die lehmige Sandschicht, die sich unter dem Fußboden befand (ein Ergebnis der Restaurierungsarbeiten in den 30er Jahren des 20. Jh.) durch eine kapillarbrechende, ca. 4 cm dicken Kiesschicht ersetzt. Um ein Auseinanderbrechen des Befundes zu verhindern, wurde er mit einer Sicherungsschicht - erkennbar an den weißen Stellen - umgeben. Das Material dieser Sicherungsschicht entspricht stofflich dem des erhaltenen Befundes, es besteht aus Gipsestrich. Gipsestrich ist ein Stoffgemisch, das in seiner Zusammensetzung vorrangig aus Kalziumsulfat und Wasser besteht. Seine Druckfestigkeit liegt dabei bedeutend über der und sein Abrieb weit unter dem von Beton.
Text: nach der Informationstafel im Innern der Klosterkirche (leicht gekürzt).


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Später übernahmen die Grafen von Stolberg-Wernigerode das Areal, ließen die ehemaligen Wirtschaftsgebäude zum Schloss und die Kirche zur Schlosskirche umbauen. Aus dieser Zeit stammt im Wesentlichen auch die heutige Ausstattung der Kirche - das Gestühl, der schwebende Engel und vor allem der wunderbar gearbeitete barocke Hochaltar. Der Altar stellt die Osterereignisse dar: unten in der Predella das letzte Abendmahl, darüber die Kreuzigung, dann die Kreuzabnahme und ganz oben den siegreichen und auferstandenen Christus.
  

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Zu DDR-Zeiten diente das Schloss als Ferienheim, das Kloster indes verfiel. Seit einigen Jahren kümmern sich nun die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Klosters Ilsenburg e. V. und die von Maria Fürstin zu Stolberg-Wernigerode initiierte Stiftung Kloster Ilsenburg mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz um Restaurierung, Erhalt und Nutzung der Anlage. Viel wurde hier bereits getan, aber viel ist noch zu tun. Und der hier vielleicht eher zufällige Besucher ist jetzt höchst überrascht von dieser "tausendjährigen Schönheit" in Ilsenburg...


Aber machen Sie sich doch selbst ein Bild! Der Besuch lohnt! Kloster Ilsenburg heißt Sie jedenfalls herzlich willkommen.


Das Kloster Ilsenburg ist auch eine Station auf der "Straße der Romanik" durch Sachsen-Anhalt. Geschichtsinteressierte finden auf der Informationstafel vor dem Klostergelände Aufklärung:

Informationstafel: Benediktinerkloster Ilsenburg mit Klosterkirche St. Peter und PaulBild "Ilsenburg_Tafel.jpg"
Infotafel in Ilsenburg
1003 Kaiser Otto III. (980-1002) (Anm. hb s. u.) übereignet die Pfalz
"Elysynaburg" an Bischof Arnulf von Halberstadt (996-1023), der
hier ein Benediktinerkloster nach Fuldaer Vorbild gründet. Von
der 1018 geweihten Klosterkirche ist nichts erhalten.
1060/1070  Bischof Burchard II. von Halberstadt (1059-1088) besetzt das Klo-
ster mit Mönchen aus Cluny. Abt wird Herrand aus Würzburg, der
die berühmte Klosterbibliothek und Schreibstube gründet.
1078-1087  Der Neubau der Kirche führt zu einem der ersten Reformbauten
nach cluniaziensischen Vorbild. Zeitgleich zu der in Hirsau errichte-
ten Kirche St. Peter und Paul, wird in Ilsenburg eine dreischiffige,
kreuzförmige Basilika mit doppeltürmigen Westbau geschaffen, de-
ren dreischiffiger Chor eine Höhenstaffelung ohne Krypta aufweist.
Die Bauweise wird später als "Hirsauer Schule" bezeichnet. 1088
wird Bischof Burchard II. im Chor beigesetzt.
1138-1176  Umbau der Klausurgebäude. Der qualitätvolle Bauschmuck im erhal-
tenen Ost- und Südflügel bezeugt den hohen Rang des Klosters.
um 1200 Das Langhaus wird eingewölbt und mit einem Schmuckfußboden
aus Gipsestrich versehen. Die seltenen Ritzzeichnungen im Estrich
mit eingelegten roten und schwarzen Pasten zeigen pflanzliche
Ornamente und Tiermotive. Zeitgleich werden die Basen der Lang-
hausstützen mit Stuck umkleidet, der bis auf zwei Stücke verlo-
ren ging.
um 1300 In den doppeltürmigen Westbau wird ein Stufenportal mit figuren-
geschmücktem Tympanon gesetzt.
1525 Die Nordseite der Kirche mit Turm, Seitenschiff, Querhausarm und
Chornebenkapellen geht während des Bauernkrieges verloren.
Große Teile der Klosterbibliothek werden im Kreuzhof verbrannt.
1547 Nach der Reformation und der Aufhebung der Abtei erfolgt 1547
die Umwandlung in eine evangelische Klosterschule.
1572/1573  Die Grafen von Stolberg-Wernigerode übernehmen die Verwal-
tung und richten 1609 hier ihren zweiten Wohnsitz ein. Die Kirche
wird zur Schlosskirche umgebaut, im Chor eine bemalte Holztonne
eingebaut und die Kirche bis 1710 neu ausgestaltet.
1862 Die Wirtschaftgebäude des Klosters werden zum Residenzschloss
ausgebaut.
nach 1945  Nach der Enteignung der Familie Stolberg-Wernigerode im Rah-
men der Bodenreform wird der Schlosskomplex als Ferienheim und
Hotel genutzt. Die Klosteranlage verfällt.
seit 1999  Die Bauten des bedeutenden Benediktinerklosters werden seit
1999 intensiv durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des
Klosters Ilsenburg e. V. und seit 2000 durch die Stiftung Kloster
Ilsenburg gefördert, aufwändig restauriert und schrittweise wieder
nutzbar gemacht.
Anm. (hb): Das ist sicherlich ein Schreibfehler, gemeint ist Heinrich II.


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nach Drübeck, Klosterkirche

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Links und Quellen:
http://www.klosterilsenburg.de/
http://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2008/1/im-namen-der-ilse.php
http://www.harzlife.de/harzrand/kloster-ilsenburg.html

Dieter Pötschke: Kloster Ilsenburg: Geschichte, Architektur, Bibliothek
Harz-Forschungen Bd. 19, Lukas Verlag, Wernigerode und Berlin 2004, ISBN 3-936872-14-7

C. Grahmann, F. Högg, R. Schulze: Broschüre Kunstführer Kloster Ilsenburg - Eine tausendjährige Schönheit, 2014, ISBN 978-3-910157-19-4

(1) Puttrich, Ludwig; Geyser, Gottlieb Wilhelm; Lepsius, Carl Peter: Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Sachsen, Bd. 2,2; Leipzig 1844-1855,
Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek, Münchener Digitalisierungszentrum
urn:nbn:de:bvb:12-bsb10862803-3